Zitat aus einem Kommentar von Heribert Prantl zum Thema: “Die Konzerne könnten ein urheberrechtsfreundlicheres Klima schaffen, wenn sie selbst mit den Urhebern freundlicher umgingen. Das geistige Eigentum wird nicht von Paragraphen erhalten, sondern vom Bewusstsein seiner Notwendigkeit. Da gibt es noch viel zu tun.”
Konzerne sind keine amorphen Gebilde, sondern bilden in ihren Strukturen und Handlungsmustern die Denkweise derer ab, die sie lenken. Dass diese Menschen in ihrem Alltag zunehmend in ganz banalen Situationen auf eigenständiges Denken und Bewusstsein verzichten, ist ein quasi übersehener Ansatz der Diskussion. Internet, Web 2.0 als Quelle mangelnden Unrechtsbewußtseins und Wurzel allen Übels wie z.B. Raubkopien und Produktpiraterie zu definieren, ersetzt eine Suche tieferer Ursachen durch die bloße Projektion eines ebenso griffigen wie platten Feindbilds. Der banale Alltag gibt schon deutlich mehr Denkanstöße her:
Beispiel Navigationssysteme in Autos. Mancher landet mit seinem Auto in der Havel bei Caputh, weil das teure Hightech-Teil eine Brücke signalisiert, wo nur eine Fähre existiert. Blindes Technikvertrauen führt bestenfalls in Sackgassen, schlimmstenfalls in den Abgrund. Sie führt aber auch dazu, dass viele meiner Bekannten mit Navi im Auto buchstäblich verlernt haben, sich zu orientieren oder gar nach Stadtplan zu fahren. Von kommunikativen Eigenleistungen wie simples “nach dem Weg fragen” ganz abgesehen.
Beispiel Rechtschreibung, ein Kapitel aus dem prallen Leben einer Zeitungsredaktion. Die Volontärin schickt einen Artikel, dürftige 40 Zeilen, aber ungefähr 87 orthografische und 5 dicke Deutschfehler. Darauf angesprochen, folgt die lapidare Antwort der jungen Dame mit abgeschlossenem Germanistikstudium und M.A.: “Wieso sollte ich das können? Mein Textverarbeitungsprogramm hat eine Rechtschreibprüfung, ich hab nur vergessen, die drüberlaufen zu lassen.” Kommentar eigentlich überflüssig, das Erlebnis passt in den Kontext der Debatte. Mangelndem Sprachgefühl mittels elektronischer Krücken auf die Sprünge zu helfen, ist auch eine Form geistiger Bankrotterklärung.
Beispiel “Convenience Food”. Immer weniger Leute können kochen, im Heimatland der Haute Cuisine mokieren sich nicht nur französische Starköche über den galoppierenden Trend, kurzerhand Fertiggerichte aus der Tiefkühltruhe in die Mikrowelle zu schieben. Die natürlich dem Benutzer das Denken weitgehend abnimmt, indem sie nach Programmierung der exakten Zubereitungszeit automatisch abschaltet, bevor das Fertigfutter zu Kohle verbrutzelt.
Beispiel Allgemeine Geschäftsbedingungen großer Verlagshäuser: Inhalte – egal ob Bild oder Text – werden zu “Content”, sprich bloßem Füllmaterial irgendwo zwischen Dämmschaum und Lückenbüßer, degradiert. Garniert noch mit Beschaffung via Ein-Euro-Plattformen im Internet, auf denen geistiges Eigentum zum Nulltarif angeboten wird – für den Gegenwert eines vermuteten, aber nicht nachgewiesenen Profilgewinns, von materiellem Gewinn ganz zu schweigen. Den streichen dann andere mit der Weitervermarktung des Contents ein, der eigentliche Urheber schaut in die Röhre und geht meist leer aus. Grundsätzlich ist es bei solcher Verramschung übrigens einerlei, ob es sich um Bilder, Texte, Kunstobjekte, Designstücke oder Billigkopien irgendwelcher Gemüsereiben handelt.
Die zitierten Beispiele können durchaus als Belege für eine weitgehend hirnfreie und bewußtseinsgetrübte Lebensführung herhalten, die aus purer Bequemlichkeit bestimmte Denkprozesse in Technikgläubigkeit und -hörigkeit verlagert: “Generation Doof” verlässt sich auf “outgesourctes Denken”, unterschätzt permanent die Leistungsfähigkeit eines menschlichen Gehirns, des eigenen sowieso – und verliert in der Konsequenz peu à peu die nötige Wertschätzung von Gedanken und Ideen. Kann so überhaupt noch ein angemessenes Bewußtsein für geistiges Eigentum, für die komplette Wertschöpfungskette von der Idee bis zum fertigen Produkt existieren? Der Versuch, der Misere mittels Paragraphen Herr zu werden, reicht da leider nicht aus.

Hachdiedeididumm,
zu dicht für einen Kommentar, man sollte geradezu dazu symposieren – oder wenigstens rougieren au vin du bon terre (oder sowas), so dichte Argumentationsschichten lassen sich von meinem bescheidenen Intellekt allenfalls garnieren…
Und doch: ich beobachte zuletzt immer stärker – und bekomme bestätigt aus den unterschiedlichsten Ecken – den kontinuierlich schwindenden Mut, Verantwortung zu übernehmen und demzufolge Entscheidungen zu treffen. Dazu demnächst mehr auf fokus-erfolg.de…
Herzlichst Ihr
Erfolgs-Blogger
Moin auch, gelegentlich neige ich zu verdichtetem Denken. Mich würde mal interessieren, wie stark der beschriebene Alltag uns allesamt verändert … und bisweilen offenbar direkt in die Degeneration führt. Netter Kommentar von Prantl allemal, dessen Gegrantel schätze ich durchaus. Ich hätte mir allerdings noch deutlichere Worte gewünscht.
Herzliche Grüße!
…das Outsourcen geht sogar so weit, dass man Andere wegen vorhandener hoher Denkdichte und entsprechend ausgebildeter Formulierkunst ein Thema bloggen lässt, welches man auch selbst schon in Erwägung gezogen hatte, es aber nicht annähernd so pointiert und stimmig hinbekommen hätte.
Hier allerdings sollte es sich als die richtige Entscheidung erwiesen haben, wie der Erfolg beweist. Danke dafür!
Ich hatte übrigens bislang nur in einem Leihwagen ein Navi, welches mich aber prompt in eine Fußgängerzone leiten wollte. Nur die Schlagzeile “Verrückter fährt Menschen über den Haufen!” vor meinem geistigen Auge hielt mich davon ab, der Anweisung zu folgen.
… was für das Vorhandensein eines vollfunktionsfähigen Gehirns spricht, Euer Lordschaft. *Augenzwinkern dazudenken bitte!*